Neue Veröffentlichung in der Psychologischen Rundschau

In der Zeitschrift Psychologische Rundschau ist ein neuer Artikel aus der Arbeitsgruppe erschienen:

Frischkorn, G. T., Hilger, K., Kretzschmar, A., & Schubert, A.-L. (2022). Intelligenzdiagnostik der Zukunft: Ein Plädoyer für eine prozessorientierte und biologisch inspirierte Intelligenzmessung. Psychologische Rundschau,73(3), 173-189. https://doi.org/10.1026/0033-3042/a000598

The English version of this article is available at https://psyarxiv.com/3sf7m/ .

Abstract: Die menschliche Intelligenz ist eines der am besten erforschten und validierten Konstrukte innerhalb der Psychologie. Dennoch wird die Validität von Intelligenztests im gruppen- und insbesondere kulturvergleichenden Kontext regelmäßig und berechtigterweise kritisch hinterfragt. Obwohl verschiedene Alternativen und Weiterentwicklungen der Intelligenzdiagnostik vorgeschlagen wurden (z. B. kulturfaire Tests), sind fundamentale Probleme in der vergleichenden Intelligenzdiagnostik noch immer ungelöst und die Validitäten entsprechender Verfahren unklar. In dem vorliegenden Positionspapier wird diese Thematik aus der Perspektive der Kognitionspsychologie und der kognitiven Neurowissenschaften beleuchtet und eine prozessorientierte und biologisch inspirierte Form der Intelligenzdiagnostik als potentieller Lösungsansatz vorgeschlagen. Wir zeigen die Bedeutung elementarer kognitiver Prozesse auf (insbesondere Arbeitsgedächtniskapazität, Aufmerksamkeit, Verarbeitungsgeschwindigkeit), die individuellen Leistungsunterschieden zu Grunde liegen, und betonen, dass der Unterscheidung zwischen Inhalten und Prozessen eine zentrale, jedoch oft vernachlässigte Rolle in der Diagnostik allgemeiner kognitiver Leistungsunterschiede zukommt. Während aus kognitions- und neuropsychologischer Sicht davon ausgegangen werden kann, dass sich insbesondere Prozesse für interkulturelle Vergleiche eignen, sollten Inhalte als stärker kulturspezifisch verstanden werden. Darauf aufbauend diskutieren wir drei verschiedene Ansätze zur Verbesserung interkultureller Vergleichbarkeit der Intelligenzdiagnostik sowie deren Grenzen. Wir postulieren, dass sich die Intelligenzforschung im Austausch mit verschiedenen Disziplinen stärker auf die Identifikation von generellen kognitiven Prozessen fokussieren sollte und diskutieren das Potenzial zukünftiger Forschung hin zu einer prozessorientierten und biologisch inspirierten Intelligenzdiagnostik. Schließlich zeigen wir derzeitige Möglichkeiten auf, gehen aber auch auf etwaige Herausforderungen ein und beleuchten Implikationen für die zukünftige Intelligenzdiagnostik und -forschung.

Human intelligence represents one of the most investigated and validated constructs in psychological research. The validity of intelligence tests, however, is regularly questioned, especially in cross-cultural research. Although various alternatives and further developments of intelligence assessments have been proposed (e. g., culture-fair tests), there are still many fundamental measurement issues in cross-cultural research in need of a solution. The present article addresses this topic from the perspective of cognitive psychology and neuroscience to propose a process-oriented and biologically inspired approach to intelligence assessment as a potential solution. We demonstrate the importance of elementary cognitive processes (e. g., working memory capacity, attention, information-processing speed) underlying individual differences in intelligence and emphasize that the distinction between contents and processes plays a central role in the assessment of intelligence. From a cognitive and neuropsychological perspective, we assume that especially processes lend themselves to cross-cultural comparison research, whereas contents remain rather culturally specific. We discuss three different approaches to improve the comparability of intelligence assessments across different cultures and argue that future intelligence research should combine knowledge from different scientific disciplines to identify such intelligence-relevant cognitive processes. Finally, we evaluate the potential of a process-oriented and biologically inspired intelligence assessment against the background of both its current possibilities and its inherent challenges. The english version of this article is available at https://psyarxiv.com/3sf7m/.

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